Was macht die Faszination von Dujiangyan und dem Qingcheng-Gebirge aus? Vor dieser Reise stand der Name vor allem für ein antikes Wasserbauwunder und einen sagenumwobenen daoistischen Berg. Doch vor Ort erschließt sich die tiefere Bedeutung des alten chinesischen Sprichworts: „Dem Wasser in Dujiangyan huldigen und Weisheit am Qingcheng-Berg suchen.“ Hier verschmelzen 2.200 Jahre Geschichte und unberührte Natur zu einem der stimmungsvollsten Ausflugsziele Sichuans.
Die historische Altstadt Guanxian: Flanieren im alten Zauber
Nur wenige hundert Meter vom Haupteingang der Dujiangyan-Wasserbauanlagen entfernt liegt die Altstadt Guanxian. Im Gegensatz zu den gläsernen Häuserschluchten von Chengdu verströmt dieses Städtchen eine behagliche, entschleunigte Atmosphäre. Kopfsteingepflasterte Gassen, traditionelle Teestuben und der Duft von Sichuan-Spezialitäten prägen das Bild. Mit einem Leihrad lässt sich das Viertel wunderbar erkunden.
Dujiangyan: Ein lebendiges Meisterwerk antiker Ingenieurskunst
Das Dujiangyan-Areal ist weitläufiger als erwartet. Seine Besonderheit liegt darin, dass es völlig ohne Staumauer auskommt und sich die natürlichen Fließkräfte des Min-Flusses zunutze macht. Von der hoch gelegenen Qinyan-Pagode aus überblickt man das gesamte System: den „Fischmaul-Damm“ (Yuzui), der den Fluss teilt, das „Fliegende Sandwehr“ (Feishayan), das Sedimente ableitet, und die „Flaschenhals-Schlucht“ (Baopingkou), die das Wasser dosiert in die Chengdu-Ebene leitet.
Der Rundweg führt über die hölzerne Anlan-Hängebrücke und vorbei am Erwang-Tempel (Zwei-Könige-Tempel), der den Erbauern Li Bing und seinem Sohn gewidmet ist. Bis heute schützt diese Anlage das Becken vor Hochwasser und bewässert Millionen Hektar fruchtbares Ackerland.
Qingcheng-Berg: Auf den Pfaden des Daoismus
Nur dreizehn Kilometer entfernt erhebt sich der heilige Qingcheng-Berg, eine der Wiegen des religiösen Daoismus. Der Bahnhof liegt direkt am Eingangsbereich. Der Vordere Berg (Qianshan) birgt jahrhundertealte Tempel wie den Jianfu-Palast, den Tianshi-Höhlentempel und den Shangqing-Palast. Umgeben von moosbewachsenen uralten Ginkgobäumen und Zypressen, verströmen die schindelgedeckten Holzbauten eine unvergleichliche Ruhe. Eine Kombination aus Seilbahn und Wanderung ermöglicht es, die landschaftlichen Höhepunkte kräfteschonend zu genießen.
Die Nan-Brücke und die Blauen Tränen bei Nacht
Bei Einbruch der Dunkelheit versammeln sich Reisende an der kunstvoll geschnitzten Nan-Brücke (Südbrücke). Sobald die smaragdgrünen und azurblauen Scheinwerfer das schäumende Gebirgswasser des Min-Flusses anstrahlen, entsteht der faszinierende Effekt der „Blauen Tränen“ (Lan Yanlei). Das Wasser glänzt wie ein leuchtender Sternenfluss unter der reich verzierten Holzbrücke – ein unvergesslicher Abschluss eines Tages voller Geschichte und Natur.
